Wer zu spät
kommt.....
Beobachtungen auf einer Wienfahrt
Irgendwie hatte
schon der Start einen gewissen Symbolwert: 2 ½ Stunden
Verspätung, voraussichtliche Ankunft in Wien: Mitternacht,
Transfer zum Hotel ungeklärt. Die freundliche Dame am „Air-Berlin“ – Schalter
bemüht sich nach Kräften, es kommt aber nicht einmal
ein Getränkegutschein für die Gruppe heraus.
Wien: Hetze zur letzten U-Bahn, Ankunft im Hotel, Angst: Frau
Haack, Steffi und Kerstin sind uns abhanden gekommen. Um die
Mühen des Gepäcktransports zu lindern, hatte man irgendwo
(?) einen Einkaufswagen organisiert und darüber den Anschluss
an die Gruppe verloren. Ausschwärmende Suchtrupps und die
Segnungen der mobilen Telefontechnik führen die drei Vermissten
der besorgten Reisegruppe wieder zu.
Der erste Abend: Gruppenweises Eintrudeln im benachbarten „Wiedenbräu“,
nächster Schreck: eine Vermisste! Beharrliches Nachfragen
ergibt, dass bereits zu diesem frühen Zeitpunkt menschliche
Kontakte zur einheimischen Herrenwelt entstanden sind, die dann
auch zu diesem unerfreulichen Alleingang führten. Durschatmen,
als die verlorene Tochter gegen ein Uhr wieder an Bord ist.
Im Gespräch am nächsten Morgen wurde der Unterschied
zwischen Einzel – und Gruppenreise nachdrücklich thematisiert.
Sonntag wollten wir ins Kaffeehaus, wissenschaftlich begleitet
durch Referate zur Wiener Kaffeehauskultur. Was ich unterschätzt
habe: Schüler brauchen ihren Schlaf, auch nachmittags.
Telefonischer Weckdienst ermöglicht den Beginn des Programms
mit halbstündiger Verspätung. Die beiden Verursacher
entschließen sich zu tätiger Reue, komponieren einen „Wien-Song“,
dessen Uraufführung beeindruckend gelang und für die
Nachwelt oder Casting für den „Superstar“ filmisch
festgehalten wurde.
Es kam zu weiteren Verspätungen, die aber den Rahmen von
15 Minuten nicht überschritten und lediglich für die
Delinquenten Folgen hatten: Der Tag begann dann eben ohne Frühstück
und das folgende Besichtigungsprogramm wurde mit Kopfschmerzen
und schweren Augenlidern absolviert. Oder man stand plötzlich
allein am Treffpunkt und musste mittels Handy und Ortskenntnis
die Gruppe wieder aufspüren, also Selbstständigkeit
in einer Großstadt unter Beweis stellen.
Was zu denken gab: Verspätungen wegen nachmittäglichen
Verschlafens sind verlorene Stunden für das eigenständige
Erkunden der Stadt. Der Preis für lange Abende auf dem Hotelzimmer
(!), um den Zusammenhalt im Jahrgang zu stärken, seltener:
Eintauchen in das nächtliche Wien.
Was sonst? Selbstverständlich Schönbrunn, Belvedere,
Stephansdom (384 Stufen), Hundertwasser, Prater, auch Riksha,
Tandem, Kettcar auf der Donauinsel, Radtour an den Neusiedler
See ( heiß, Wasser bis zum Knie ), Zentralfriedhof. Bemerkenswert:
Feierliche Verlobung im Heurigen – Lokal, die wohl wenig
später ziemlich sang- und klanglos wieder gelöst wurde,
die Inszenierung aber überzeugend.
Fazit: Aus meiner Sicht gelungene Studienfahrt, die meisten haben
viel gesehen und erlebt, insgesamt bei guter Stimmung.
Bei Städtefahrten kaum zu verhindern: Alkoholkonsum durch
Minderheiten. Was zu Hause tolerierter wochenendlicher Alltag
ist, lässt sich unter solchen Rahmenbedingungen nur schwer
unterbinden. Noch einmal: ich spreche von Wenigen, wir konnten
realisieren, was wir uns vorgenommen haben, und wir waren durchweg
alle „gut drauf“.
Herr Andersen