wienfahrt 2003 - artikel von herrn andersen
 
 

Wer zu spät kommt.....
Beobachtungen auf einer Wienfahrt

Irgendwie hatte schon der Start einen gewissen Symbolwert: 2 ½ Stunden Verspätung, voraussichtliche Ankunft in Wien: Mitternacht, Transfer zum Hotel ungeklärt. Die freundliche Dame am „Air-Berlin“ – Schalter bemüht sich nach Kräften, es kommt aber nicht einmal ein Getränkegutschein für die Gruppe heraus.
Wien: Hetze zur letzten U-Bahn, Ankunft im Hotel, Angst: Frau Haack, Steffi und Kerstin sind uns abhanden gekommen. Um die Mühen des Gepäcktransports zu lindern, hatte man irgendwo (?) einen Einkaufswagen organisiert und darüber den Anschluss an die Gruppe verloren. Ausschwärmende Suchtrupps und die Segnungen der mobilen Telefontechnik führen die drei Vermissten der besorgten Reisegruppe wieder zu.
Der erste Abend: Gruppenweises Eintrudeln im benachbarten „Wiedenbräu“, nächster Schreck: eine Vermisste! Beharrliches Nachfragen ergibt, dass bereits zu diesem frühen Zeitpunkt menschliche Kontakte zur einheimischen Herrenwelt entstanden sind, die dann auch zu diesem unerfreulichen Alleingang führten. Durschatmen, als die verlorene Tochter gegen ein Uhr wieder an Bord ist.
Im Gespräch am nächsten Morgen wurde der Unterschied zwischen Einzel – und Gruppenreise nachdrücklich thematisiert.
Sonntag wollten wir ins Kaffeehaus, wissenschaftlich begleitet durch Referate zur Wiener Kaffeehauskultur. Was ich unterschätzt habe: Schüler brauchen ihren Schlaf, auch nachmittags.
Telefonischer Weckdienst ermöglicht den Beginn des Programms mit halbstündiger Verspätung. Die beiden Verursacher entschließen sich zu tätiger Reue, komponieren einen „Wien-Song“, dessen Uraufführung beeindruckend gelang und für die Nachwelt oder Casting für den „Superstar“ filmisch festgehalten wurde.
Es kam zu weiteren Verspätungen, die aber den Rahmen von 15 Minuten nicht überschritten und lediglich für die Delinquenten Folgen hatten: Der Tag begann dann eben ohne Frühstück und das folgende Besichtigungsprogramm wurde mit Kopfschmerzen und schweren Augenlidern absolviert. Oder man stand plötzlich allein am Treffpunkt und musste mittels Handy und Ortskenntnis die Gruppe wieder aufspüren, also Selbstständigkeit in einer Großstadt unter Beweis stellen.
Was zu denken gab: Verspätungen wegen nachmittäglichen Verschlafens sind verlorene Stunden für das eigenständige Erkunden der Stadt. Der Preis für lange Abende auf dem Hotelzimmer (!), um den Zusammenhalt im Jahrgang zu stärken, seltener: Eintauchen in das nächtliche Wien.
Was sonst? Selbstverständlich Schönbrunn, Belvedere, Stephansdom (384 Stufen), Hundertwasser, Prater, auch Riksha, Tandem, Kettcar auf der Donauinsel, Radtour an den Neusiedler See ( heiß, Wasser bis zum Knie ), Zentralfriedhof. Bemerkenswert: Feierliche Verlobung im Heurigen – Lokal, die wohl wenig später ziemlich sang- und klanglos wieder gelöst wurde, die Inszenierung aber überzeugend.
Fazit: Aus meiner Sicht gelungene Studienfahrt, die meisten haben viel gesehen und erlebt, insgesamt bei guter Stimmung.
Bei Städtefahrten kaum zu verhindern: Alkoholkonsum durch Minderheiten. Was zu Hause tolerierter wochenendlicher Alltag ist, lässt sich unter solchen Rahmenbedingungen nur schwer unterbinden. Noch einmal: ich spreche von Wenigen, wir konnten realisieren, was wir uns vorgenommen haben, und wir waren durchweg alle „gut drauf“.

Herr Andersen