elsassfahrt 2003
 
 

Donnerstag, der 14.08.2003, sehr früh morgens am Gleis 11 des Hamburger Hauptbahnhofs. Mit Herrn Waldowsky und Frau Duwe-Bendixen machte sich eine bunt gemischte Reisegruppe von 18 Eliteschülern mit dem ICE auf ins Elsass nach Frankreich, um Straßburg zu erobern. Die Schüler wollten ihre guten Französischkenntnisse auch mal im Alltag ausprobieren. Ehrlich gesagt, hatten einige kaum oder gar keine Kenntnisse im Umgang mit der französischen Sprache. (Man könnte fast sagen, sie haben nie in ihrem Leben Französisch gesprochen.) C’est la vie!

Als wir in Straßburg zum größten Teil nüchtern aus dem Zug stiegen, schlug uns als erstes die Hitze entgegen und wir konnten durch die Lautsprecheransagen feststellen, dass wir in Frankreich angekommen waren. Mit dem öffentlichen Bus sowie zu Fuß und einer Menge Gepäck unterm Arm an unserer innenstadtnahen Unterkunft, dem mehrstöckigen Ciarus Hotel, angelangt, wurden von unseren fachkundigen Lehrern die Zimmer verteilt. Wir fanden Zimmer vor, die irgendwo zwischen klein und groß, dafür aber neu und gut ausgestattet waren. Nur eines dieser Vierbettzimmer (, genauer gesagt unser Zimmer,) hatte ein „kleines“ Manquo, nämlich ein Fenster von der Größe eines Fernsehers, welches nur zu kippen war, was bei den hohen Temperaturen eine Luftzirkulation im Zimmer unmöglich machte und die Sauna direkt im Raum entstehen ließ. Alle anderen hatten dagegen Zimmer mit kleinen Balkons zur Straßenseite oder wenigstens aufklappbaren Fenstern und somit nicht solch große Probleme mit der Körpertranspiration. Die Waschbecken wurden in den folgenden Tagen zu Ersatzkühlschränken umfunktioniert.
Außerdem lernten wir den Nachtportier (gen.: „garcon noire“) kennen, der im weiteren Verlauf noch eine wichtige Rolle einnehmen wird und alle nächtlichen Geschehnisse über die vielen im Hotel verteilten Kameras miterleben konnte.

An unserem ersten Tag konnten wir, nach einer umfangreichen Tour durch die malerische Altstadt, einen ersten Eindruck der französischen Lebensart, der schönen Stadt, dem Münster, den franz. Frauen … usw. einfangen und schließlich vorerst müde, erschöpft und mit großen Erwartungen an die kommenden Tage in die Betten fallen.

Nach dem süßen, typisch französischen Grundlagenfrühstück wurde uns der Tagesplan von prof(esseur) Waldowsky eröffnet, der einen Rundgang durch die Stadt vorsah. Es wurden die ersten Photos gemacht (Henner vorm Denkmal mit der Pernodflasche!) und im sonnigen Tageslicht erschien die Stadt noch viel schöner als am Vorabend. Wir überquerten die „Ill“, einen Kanal der die Altstadt umschließt, und bekamen das (über 200 Meter große Wahrzeichen Straßburgs) Münster, etliche boulangerien und eine schier endlose Zahl an Touristen zu sehen.
Der zweite Abend brach an, alle Eliteschüler versuchten nun endlich den wahren Grund dieser Fahrt zu ergründen und brachen somit ihre Alkoholreserven an. Eine sehr beliebte Location für deren Verzehr war eine Bank auf dem Spazierweg an den Ufern der Ill. Danach hat sich der harte Kern noch in der Stadt verteilt um sich auf die Suche nach einer Disco zu machen. Obwohl von unseren Lehrern angeraten wurde um 12 Uhr wieder im Hotel zu sein, da wir sonst nicht mehr rein kämen, kamen die meisten erst später. Doch zum Glück gab es den netten garcon noir, der uns dann doch immer wieder rein ließ. Die Nächte wurden dann umso länger, wenn in ihr Zimmer Zurückkehrende noch ’ne Rasierschaumparty veranstalteten!!! (Tut uns Leid Erik, war doch lustig, oder??)

In den folgenden Tagen stand ein strapaziöses und straffes Programm an, in dem eine schweißtreibende Wanderung in die Vogesen, eine Radtour durchs Umland, die Besichtigung des Isenheimer Altars in Colmar, das Europaparlament, eine Schiffsfahrt entlang der Ill, die vielen Kirchen, das Kunstmuseum, die alltäglichen Mittagspicknicke, die Bustour und einige Referate vorgesehen waren. Um jedoch alle diese durchaus erlebnisreichen Aktivitäten zu erläutern, hätten wir einen halben Roman schreiben müssen, drum erzählen wir euch nur das Schönste und Lustigste.

Fangen wir doch einfach mal damit an, woran wir uns noch genau erinnern können; der militante Todesmarsch durch die malerischen Weinreben (besonders für Ralle nach seiner Odyssee in der Bahn!!) mit anschließendem Aufstieg auf einen Berg, auf dem ein Kloster thronte.
Eingedeckt mit Wasserflaschen, knusprigen Baguettes und einigen Zigaretten machten wir uns, nach einer kurzen Bahnfahrt aus Straßburg hinaus aufs Land, bei einer überdurchschnittlich hohen Tagestemperatur und strahlendem Sonnenschein auf den Weg.
Die Trauben hingen von den Rebstöcken wie bald auch wir am Straßenrand, um zunächst unter einem großen schattigen Baum unser Mittagessen einzunehmen. Darauf folgte der harte Anstieg, der uns in Gruppen unterschiedlicher Kondition zerschlug, und eine Ewigkeit dauerte. Doch als wir alle schon den Glockenturm des Klosters erspähen konnten, war es nicht mehr weit und wir wurden damit belohnt, an einer eiskalten Quelle uns erst mal abzukühlen. Vom Kloster aus hatten wir einen hervorragenden Blick über die Ebene bis nach Straßburg.

Am Nachmittag nahmen wir, Gott sei Dank, einen Bus zurück ins Dorf, über super enge Serpentinen und kauften, im Dorf angekommen, mit unserem Weinkenner Waldowsky noch einige Sorten erlesener Weine, nach vorheriger Probe, um diese dann am lauen Abend an der Ill in Straßburg zu genießen.
Zur Abkühlung, anstelle eines Schwimmbades, aus dem einige zuvor wegen unsachgemäßer Badebekleidung rausflogen, sind dann noch einige von uns zu späterer Stunde von einer 5 Meter hohen Brücke in die verdreckte Ill gesprungen. (Vermutlich war ihnen der Abend noch nicht feuchtfröhlich genug.) Am nächsten Tag waren alle, die am Vorabend in den Kanal gesprungen waren, dann doch auch etwas krank. Lag es womöglich an dem braun-grünen Wasser der Ill???
Am Ende unserer Fahrt hätte eigentlich eine riesige Menge von leeren Heineken Flaschen und Kronenbourg Dosen an der besagten Bank liegen müssen, hätte nicht der Straßenfeger, den wir jeden Morgen erneut beim Aufräumen sahen, immer für Sauberkeit gesorgt. Auch wenn wir einmal Kontakt mit den örtlichen Cops hatten, bei dem es selbst den Französisch-Leistungskurslern das Wort verschlug, haben wir immer für genügend Arbeit gesorgt.
Auch dem Atac-Supermarkt, bei dem wir täglich unsere Spirituosen kauften, haben wir einen großen Umsatz beschert, unter anderem auch durch den Wasserkauf, der für die anstehende Radtour überlebenswichtig war.

Die über 50km lange Route führte uns durch das Umland entlang eines Kanals und die vielen kleinen elsässischen Dörfer, über Berg und Tal unter sengender Hitze, die uns ganz schön zu schaffen machte, besonders wenn man sich auch noch verfährt, wie einige von uns. Auf der Hälfte gingen uns dann doch die Trinkreserven aus, doch zum Glück trafen wir in einem Dorf bei einer kurzen Rast zwei deutschsprachige Opas, die uns von der Wasserknappheit in unseren Flaschen befreiten und sie uns bei sich auffüllen ließen. Am Ende dieser Radtour waren wir dann froh unsere Drahtesel (hatten alle nur einen Gang) gegen unsere Betten eintauschen zu können.

Am nächsten Morgen erreichten unsere Körper nur schleppend den Frühstückssaal. Nach einer revitalisierenden Dusche fühlten wir unsere Knochen wieder einigermaßen und machten uns mit einem für genau 18 Personen proportionierten Bus, der dementsprechend eng war, auf den Weg in die Vogesen. Unser erster Stop war das einzige KZ Frankreichs. Hier konnten wir uns ein kritisches Bild über die vergangene Kriegszeit durch eine sowohl faszinierende wie auch erschreckende Ausstellung machen. Unser nächster Stop führte uns an einen idyllischen Bergsee, an dem wir unser Mittag, also Baguette und Käse/Salami, einnahmen. Henna und Pommes wurden von diesem Bergsee so sehr in seinen Bann gezogen, dass sie sich kurzum entschlossen in diesem klaren Wasser eine Erfrischung, von der bisher langen Busfahrt über die Berge, zu nehmen. Schließlich auf dem höchsten Punkt des Berges der Vogesen angekommen, wurden wir durch einen hervorragenden Blick über Frankreich bis hin zum Schwarzwald belohnt. Nach einer weiteren halben Stunde kamen wir an einem Soldatenfriedhof an. Herr Waldowsky, Jan und Martin guckten sich noch die schon überwucherten Überreste des Schlachtfeldes des 1. Weltkrieges an und kletterten durch die sehr unzugänglichen Gräben und Tunnel auf der Suche nach vielleicht noch vorhandenen… Nun machten wir uns über die engen Straßen zurück auf den Heimweg ins Hotel. Der Busfahrer fuhr, einem Rennfahrer gleich, in einem rasanten Tempo, so dass wir uns am Abend nach einem stärkenden Abendbrot im Hotel wieder feuchtfröhlich auf unseren Zimmern amüsieren konnten.

Am vorletzten Tag machte eine kleine Gruppe von uns eine Schifffahrt auf dem Rhein. Da nicht mehr genügend Platz für alle war, fuhr eine erlesene Gruppe mit der Tram, der Straßenbahn, einem weiteren Höhepunkt der Studienfahrt entgegen. Es sollte ins Mekka der französischen Biertrinker, in die Kronenbourg-Brauerei, gehen. Dank Pommes, der dem Portier versicherte, dass ganz sicher alle von uns die französisch-sprachige Führung verstehen würden, konnten wir am Ende derselben an der 25-minütigen Bierprobe teilnehmen, die alle 8 von uns zum Entsetzen der Bedienung reichlich ausnutzten.
Der anstehende Besuch des Kunstmuseums am Spätnachmittag wurde aus nahe liegenden Gründen auf den letzten Tag verschoben.

Der letzte Tag brach an und wir mussten, nach zuvor durchgezechter Nacht, die kulturelle Darbietung im Kunstmuseum über uns ergehen lassen. Nach einer erholsamen Freizeitphase (mit Eisbein und Sauerkraut) packten wir schließlich unsere Sachen und mussten Abschied nehmen vom schönen Straßburg.
Doch waren es auch die ruhigen Momente, wie z.B. das Verweilen vor dem Palace de Justice auf dem Rasen neben frisch duftenden Blumen oder an den plätschernden Brunnen an den lauen Sommerabenden, die diese Studienfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. (Der Abschied von den Leipzigern fiel einigen umso schwerer.) Drum war die Rückreise ins regnerische Hamburg sehr traurig, besonders wenn dann noch laut pöbelnde und Bier trinkende Bayern in unserem Abteil saßen und uns vom Schlaf abhielten, den wir dringend nach dieser erlebnisreichen Studienfahrt benötigt hätten.

Hiermit noch einmal im Namen aller Beteiligten ein großes Lob an die tolle Organisation von Herrn Waldowsky und Frau Duwe-Bendixen, die man nur weiter empfehlen kann.

Fazit: Wann wollen wir wieder hinfahren???


Martin & Jan

PS.: Eine genaue zeitliche Einordnung der Geschehnisse ist den beiden Autoren sowie den anderen Beteiligten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich gewesen, da wir eine mehr oder weniger volle (ausgefüllte) Zeit erlebten.